HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN (FAQ)

1. Was ist ein Geld- und Glücksspiel?

Jedes Mal, wenn eine Person um Geld oder einen Wertgegenstand spielt mit dem Ziel, mehr zu verdienen, und das Resultat vom Zufall abhängig ist, handelt es sich um ein Glücksspiel.

Ein paar Beispiele für Glücksspiele:

  • Lotterielose
  • Bingo
  • Kartenspiele, bei denen man Geld einsetzt
  • Sportwetten
  • Geschicklichkeitsspiel, bei dem man Geld einsetzt (z. B. Billard)
  • Casinospiele
  • Video-Lotterie-Terminals (VLT) und elektronische Lotterien (die sogenannten Tactilo-Automaten in der Westschweiz)
  • Geldwetten
  • Rubbellose 

Warum stellen diese Spiele ein Risiko dar?​

Das „Risiko“, langfristig zu verlieren, ist statistisch gesehen immer höher als die „Chancen“ zu gewinnen. Das hat strukturelle Gründe: Der Betreiber von Glücksspielen wacht sehr genau darüber, denn die Lebensfähigkeit seines Unternehmens hängt von seiner Provision ab. Dennoch ruft das Spiel, ausserhalb des statistischen Zusammenhangs gesehen, bei jedem Menschen Gedanken hervor, die die Annehmlichkeiten eines grossen Gewinns vorwegnehmen, sowie nicht vom Verstand gesteuerte Gedanken in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns. Manche Personen haben sogar das Gefühl, sie seien imstande, eine Strategie zu entwickeln, um das System zu überlisten. Aufgrund solcher Gedanken und ihrer Macht über bestimmte Menschen neigen manche dazu, die Kontrolle zu verlieren, und lassen sich zu beträchtlichen Ausgaben verleiten. Dieser Kontrollverlust ist schwer vorhersehbar, denn es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen, und man weiss nur wenig über sie. Es ist also äusserst wichtig, die Spieler über die potentielle Gefahr zu informieren. Aus diesem Grund gibt es in den meisten Industrieländern neue Glücksspielgesetze, die eine Informationspflicht der betreffenden Unternehmen gegenüber den Benutzern vorsehen, wie das auch für andere gesundheitsgefährdende Produkte gilt (z.B. Tabak, gewisse Agrarerzeugnisse, gefährliche Produkte für Kinder, usw.).

2. WAS IST EIN SPIELPROBLEM?​

Eine Person hat ein Spielproblem, wenn das Spiel ihrer Familie schadet oder sich nachteilig auf ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Finanzen oder ihre Gesundheit auswirkt.

3. WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN PATHOLOGISCHEM SPIELEN, EXZESSIVEM SPIELEN UND SPIELSUCHT?​

Diese verschiedenen Ausdrücke werden alle verwendet, um ein schwerwiegendes Spielproblem zu benennen. Das “Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-IV, deutsch: diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) spricht von “pathologischem Spielen“. Die Selbsthilfegruppen (z.B. Anonyme Spieler) verwenden üblicherweise den Begriff Spielsucht. Auch wir verwenden den Ausdruck “Spielsucht“, um ein exzessives Spielverhalten zu bezeichnen, und zwar sowohl ein Verhalten, das die DSM-IV Kriterien vereint, als auch jedes andere Spielverhalten, das negative Folgen für die Gesundheit haben kann. 

4. DIE ANZEICHEN DAFÜR, DASS DAS SPIELEN EIN PROBLEM DARSTELLT​

  • Spielen Sie über Ihre finanziellen Verhältnisse hinaus? 
  • Verlieren Sie beim Spielen das Zeitgefühl und spielen länger als vorgesehen? 
  • Setzen Sie immer grössere Beträge ein? 
  • Lügen sie, was die Höhe der gespielten Geldbeträge  betrifft? 
  • Werden Sie kritisiert, weil Sie spielen?  
  • Lassen Sie es zu, dass das Spiel Ihrer Familie, Ihrer Arbeit, Ihrer Gesundheit oder Ihren Finanzen schadet? 
  • Versuchen Sie, wieder „hereinzuholen“, was Sie verloren haben, indem Sie weiterspielen? 
  • Spielen Sie, um Stress, ein Gefühl der Einsamkeit oder der Verzweiflung oder andere negative Gefühle zu vergessen? 
  • Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie an das Geld denken, das Sie beim Spielen verloren haben? 
Wenn Sie auf mindestens eine dieser Fragen mit "ja" antworten, haben Sie möglicherweise ein Spielproblem.

5. WIE ERKENNT MAN EIN SPIELPROBLEM?​

Jede Person, die spielt, kann potentiell ein Spielproblem entwickeln, erst recht, wenn ein problematisches Ereignis oder eine schwierige Situation eintreffen. Diese können zum Auslöser werden. 
 
Folgende Zeichen weisen möglicherweise auf ein Spielsucht-Problem hin: 
  • Sie sind beim Spielen oder beim Gedanken, spielen zu gehen, erregt und suchen diese Hochstimmung. Sie lassen sich von Spielkollegen leicht beeinflussen. Sie suchen Vorwände, um die Spiellust zu rechtfertigen.
  • Sie spielen, um andere Probleme oder gewisse unangenehme Situationen oder Gefühle zu verdrängen.
  • Sie haben ausserhalb des Spielens wenig Aktivitäten oder Interessen.
  • Sie fühlen sich einsam, Sie langweilen sich.

6. WAS BEWIRKT, DASS EINE PERSON EINEM HÖHEREN RISIKO AUSGESETZT IST?

Vermehrt Zugang zum Spiel haben. Mit dem Spiel aufgewachsen sein. Jung mit Spielen angefangen haben. Am Anfang einen grossen Gewinn gemacht haben. Ein falsches Vertrauen in die Gewinnchancen haben. Spielen, um der Einsamkeit, der Langweile oder der Verlorenheit zu entgehen. Zu impulsivem Verhalten neigen. Finanzielle Probleme haben. Eine schwierige Situation erleben, z.B. einen Verlust oder Stress. Spielen, um gesundheitliche Probleme oder körperlichen Schmerz zu vergessen. Alkohol- oder Drogenprobleme oder eine labile geistige Gesundheit haben. 

7. WANN WIRD DAS SPIELEN ZU EINEM PROBLEM?​

Man misst die Pathologie eines Spielers nicht einfach an der Geldsumme, die er beim Spielen ausgibt. Eine finanziell gut gestellte Person kann mehrere Tausend Franken pro Jahr spielen, ohne dass es für sie ein Problem darstellt. Hingegen können sich die dreissig oder vierzig Franken, die eine Person mit einem niedrigen Einkommen oder ein Sozialhilfeempfänger pro Monat spielt, als sehr problematisch erweisen. 

“Das Gambling (Spiel) – in den Bereichen Lotterie und Bingo genauso wie in den Video-Lotterie-Terminals und Casinos – wird pathologisch, wenn es im Leben der betreffenden Person mehr Schwierigkeiten als Vergnügen bedeutet. Zum Beispiel, wenn für das Spielen Geld eingesetzt wird, das für andere Zwecke wie etwa Elektrizitätsrechnung oder  Einkäufe bestimmt war, oder schlimmer noch, wenn es die Zeit und die Aufmerksamkeit beansprucht, die etwa den Kindern oder dem Ehepartner gewidmet werden sollte. Oder auch, wenn jemand wie unter einem inneren Zwang spielen muss oder nicht mehr zu spielen aufhören kann. Wenn er nicht spielt, denkt er dauernd daran und ist gereizt, er hat zu nichts mehr Lust und spürt, dass ihm etwas fehlt“. 

8. RATSCHLÄGE, WIE SPIELPROBLEME VERMIEDEN WERDEN KÖNNEN​

Legen Sie jedes Mal, wenn Sie um Geld spielen, einen Höchstbetrag fest, den Sie sich erlauben können, und überschreiten Sie ihn nicht. 

Bedenken Sie, dass das beim Spielen ausgegebene Geld der Preis ist, den Sie bezahlen, um sich zu vergnügen. 

Überschreiten Sie den von Ihnen selbst festgelegten Betrag nicht, indem Sie mit Ihrer Bank- oder Kreditkarte mehr Geld abheben.

Leihen Sie sich kein Geld von Ihrer Familie oder von Freunden und Bekannten, um in einem Spiellokal zu spielen. 

Legen Sie beim Spielen häufige Pausen ein. 

Suchen Sie Hilfe, sobald Sie mehr Geld verlieren, als Sie vorgesehen haben oder als Sie sich leisten können. 

9. WAS TUN BEI SPIELSUCHT?​

Sie können beim Casino eine Spielsperre für ein Jahr beantragen. Das Verfahren gilt für alle Casinos in der Schweiz. 

Die Spielsucht entwickelt sich langsam. Sie funktioniert wie eine andere Sucht und bringt viel Leid mit sich. Egal, um welches Spiel es sich handelt: Mit Hilfe von aussen und einer angemessenen Unterstützung ist es möglich, das Problem zu bewältigen. Zögern Sie nicht, Kontakt aufzunehmen, und rufen Sie das anonyme Beratungstelefon an: 0800 801 381. 

10. WIE KANN MAN DIE RISIKEN EINER SUCHTENTWICKLUNG BEIM SPIELEN BEGRENZEN?​

Stellen Sie anfangs jeder Woche ein Budget auf. Wenn das zu schwierig ist, legen Sie einen bescheidenen und realistischen Betrag pro Tag fest.

Lassen Sie Ihr Geld von einer Vertrauensperson verwalten.
Kündigen Sie Ihre Kreditkarten. 

Lassen Sie das Limit des Dispokredits Ihrer Konten auf Null festlegen. 

Nehmen Sie für den Bankverkehr einen Mitunterzeichner. 

Planen Sie Ihre Tage im Voraus und vermeiden Sie längere Momente freier Zeit, vor allem in der Phase, nachdem Sie Ihren Lohn erhalten haben. 

Organisieren Sie Aktivitäten, die Ihnen Freude machen. 

Erstellen Sie eine schriftliche Liste Ihrer Ziele sowie Ihrer kurz-, mittel- und langfristigen Projekte. 

Finden Sie heraus, welche Gefühle Sie haben, wenn die Lust zu spielen Sie packt, und lernen Sie, diese als “Alarmsignale“ zu erkennen. 

Sprechen Sie mit jemandem über Ihre Lust zu spielen, bevor Sie spielen gehen: Das kann Sie von Ihrer Spiellust ablenken.

Suchen Sie Hilfe bei Fachpersonen, die diesen Problembereich gut kennen.

11. WARUM SPIELEN SÜCHTIGE SPIELER WEITER, OBWOHL SIE SICH DADURCH PROBLEME SCHAFFEN?​

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, und die Wissenschaftler versuchen, dieses Verhalten zu erklären. Nachfolgend einige der am häufigsten angeführten Erklärungen:

Flucht oder Erleichterung 
Das Spiel kann dem Spielenden erlauben, unangenehme Gefühle vorübergehend zu verdrängen (z.B. Gefühle, die eine Depression, Langeweile, Stress oder Trauer begleiten) oder sich für kurze Zeit seinen Problemen zu entziehen, etwa Problemen auf beruflicher oder menschlicher Ebene.  

„Action“ 
Der Nervenkitzel beim Spielen, verbunden mit der Möglichkeit, Geld zu gewinnen, kann dem Spieler so viel Lust verschaffen, dass er manchmal weiterspielt, obschon dadurch Probleme entstehen.

Die Wirkung gelegentlicher Gewinne
Alle Spieler gewinnen hin und wieder. Für einen Spieler ist es besonders schwierig, mit Spielen aufzuhören, wenn er überzeugt ist, dass die nächste Runde den Gewinn bringen wird.

Die Verstärkung 
Die Spieler können vom repetitiven Ablauf des Spiels an sich oder von den visuellen und akustischen Reizen, die es begleiten, beeinflusst werden.

Die Falle
Zwanghafte Spieler setzen Zeit, Energie und Geld fürs Spielen ein. Nach dem Verlust eines grossen Geldbetrags beginnen sie, ihre Ausgaben als eine “Investition“ zu betrachten und zu vergessen, dass sie sich mit diesem Geld ein Freizeitvergnügen finanzieren. Manche versuchen, ihre “Investition“ wieder hereinzuholen, indem sie weiterspielen. Sie möchten ihre Verluste mit neuen Gewinnen wettmachen und merken nicht, dass sie in einen Teufelskreis geraten.

12. FALSCHE VORSTELLUNGEN VOM SPIEL​

Süchtige Spieler haben oft falsche Vorstellungen von der Art, wie sie ihre Gewinnchancen verbessern können. Aufgrund dieser Vorstellungen spielen sie immer mehr Geld und hoffen, dass sie auf diese Weise die Verluste wettmachen können. 

Nachfolgend ein paar gängige Vorstellungen:
Wenn ein Ereignis lange nicht mehr eingetreten ist, zum Beispiel eine schwarze Zahl beim Roulette, besteht eine erhöhte Chance, dass es bald eintritt. Das nennt man die Illusion des Spielers. In Wahrheit besteht immer die gleiche Gewinnmöglichkeit – und sie ist äusserst gering. 
  
Es gibt “Glückssträhnen“, die man erkennen und ausnutzen kann, um weiterhin zu gewinnen. 

Der Spieler kann den Ausgang der Gewinnspiele voraussagen. Das nennt man im Jargon der Psychologen die “Kontrollillusion“. 

Aberglauben

Zwanghafte Spieler werden oft von abergläubischen Gedanken geleitet, und es kommt vor, dass sie weiterspielen, weil sie glauben, dass etwas ganz Bestimmtes ihnen Glück bringe. Zum Beispiel:

Der Spieler gewinnt, weil er auf eine bestimmte Art gedacht hat, oder weil er gehofft oder gewünscht hat, er gewinne. 

Gewisse Gegenstände, eine gewisse Art zu sitzen oder gewisse Spielautomaten vermögen die Gewinnchancen zu erhöhen. 

Alle diese Faktoren können einen Spieler dazu verleiten weiterzuspielen, auch wenn dadurch Probleme entstehen. 

13. DIE GÄNGIGSTEN BEISPIELE FÜR MAGISCHES DENKEN​

Folgende Gedanken gaukeln den Spielern etwas vor und können ihnen zum Verhängnis werden:

  • “Es gibt Tricks, um den Zufall zu überlisten, und ich bin sicher, dass ich sie gefunden habe!“
  • “Es gibt gute und schlechte Lose, oder gute und schlechte Spielautomaten.“ 
  • “Ich wette immer auf das gleiche Team. Wenn ich wechsle, riskiere ich, dass sich meine Gewinnchancen verringern.“
  • “Wenn ich immer weiterspiele, werde ich gewinnen.“
  • “Das nächste Mal spiele ich besser, weil ich den Spielautomaten kenne.“ 
  • “Diesmal  gewinne ich, ich spüre es.“ 
  • “Ich habe gewusst, dass heute kein guter Tag ist.“ 
  • “Ich muss spielen, um das Geld wieder hereinzuholen, das ich gestern verloren habe.“ 
  • “Ich habe ja nichts zu verlieren.“ 
  • “Wenn ich gewinne, höre ich auf zu spielen!“
  • “Spielen hilft mir, mich abzureagieren, wenn ich frustriert bin.“

14. IN GEWISSEN STUDIEN WIRD DIE SPIELSUCHT MIT DEN FALSCHEN VORSTELLUNGEN ERKLÄRT. SIND DIESE DIE EINZIGE URSACHE FÜR DIE SPIELSUCHT UND DER EINZIGE BEHANDLUNGSANSATZ?​

Nein, solche Behauptungen kommen im Allgemeinen aufgrund der Übertreibung gewisser Medien zustande, die die bescheidenen Fortschritte auf diesem Gebiet aufbauschen. Die Spielsucht ist ein komplexes Problem, dem verschiedene Faktoren zugrunde liegen, darunter die falschen Vorstellungen (auch magisches Denken genannt). Es sind jedoch auch mehrere andere Risikofaktoren daran beteiligt, und es wurden unterschiedliche erklärende Hypothesen aufgestellt. Die relative Bedeutung dieser verschiedenen Faktoren muss jedoch noch nachgewiesen werden.

15. WAS SIND DIE AUSWIRKUNGEN DER SPIELSUCHT?​

Die Spielsucht hat schwerwiegende Folgen. Wenn das nicht der Fall wäre, würden die Wissenschaftler nicht mit allen Mitteln versuchen, sie zu verstehen und ihr vorzubeugen. Ihre Auswirkungen sind verheerend und tückisch, denn sie machen sich nach und nach in allen Lebensbereichen des Spielers bemerkbar. 

Es gibt Auswirkungen, die Sie bestimmt spontan nennen können. Finanzielle Schwierigkeiten zum Beispiel. Vielleicht denken Sie auch an die Probleme, die durch die Spielsucht in der Familie und in der Paarbeziehung der süchtigen Person entstehen. Wir haben fast alle von Geschichten Spielsüchtiger gehört, die ihre Kinder vernachlässigt haben, oder von Auseinandersetzungen innerhalb einer Paarbeziehung. 

Doch haben Sie gewusst, dass die finanziellen Schwierigkeiten, zu denen die Spielsucht führt, Spieler dazu bringen können, illegale Handlungen oder Verbrechen zu begehen? Häufig handelt es sich um Betrug und Diebstahl. Dieses Verhalten kann die  Betreffenden also sogar ins Gefängnis bringen. Das Spielen wirkt sich auch negativ auf die Arbeit aus: häufiges Fehlen, Diebstähle, Reizbarkeit, Schlafmangel usw. Und schliesslich kann die Tatsache, immer zu verlieren, obschon der Spieler  überzeugt ist, das Spiel im Griff zu haben, mit der Zeit das Selbstwertgefühl schwer beeinträchtigen. 

Zu den schlimmsten Auswirkungen zählen aber die Selbstmordversuche (bei 20% der Spielsüchtigen) oder die Selbstmordgedanken (48%), sowie die sogenannte “soziale Vererbung“. Die soziale Vererbung besteht aus Verhaltensmustern, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden können. Bei mehr als 55% der Personen mit Spielproblemen hatte einer der beiden Elternteile dasselbe Problem oder ein anderes Suchtproblem (Drogen, Alkohol usw.). 

16. WARUM WIRD EINE PERSON SPIELSÜCHTIG?​

Es gibt keine universelle, alleinige Ursache, mit der sich ein süchtiges Spielverhalten erklären lässt. Jede Spielerin und jeder Spieler hat seine eigenen Gründe, warum er dieser Sucht verfällt. Doch ganz allgemein kann man sagen, dass die betreffende Person versucht, damit ein Bedürfnis oder ein inneres Unbehagen auszudrücken und sich diesem zu entziehen. 

Gewisse Menschen spielen, weil sie aufsehenerregende Erfolge suchen. Dieses Gefühl geht aus dem durchaus normalen und legitimen Bedürfnis hervor, den eigenen Wert zu beweisen und die Anerkennung der anderen zu erhalten. Sie haben jedoch, häufig in ihrer Familie, gelernt, dass man geliebt und geschätzt wird für das, was man tut, besonders für die Erfolge, und nicht für das, was man ist. Bei jemandem, der gelernt hat, dass man Leistungen erbringen und materiellen Erfolg haben muss, um Aufmerksamkeit zu erhalten und anerkannt zu werden, kann die Ausdauer – ein Wert, der in der Familie oft wichtig ist – zudem das “Chasing“-Verhalten verstärken (das darin besteht, immer wieder zu spielen mit dem Ziel, Verluste sofort auszugleichen.)

Andere drücken mit ihrem Spielverhalten Wut und Auflehnung aus. Ausserdem suchen viele Spielerinnen und Spieler gesellschaftliche Akzeptanz, denn um einen Spieltisch herum sind alle gleich. “Wenn Sie Geld haben, werden Sie akzeptiert“.

Viele Personen spielen auf unkontrollierte Weise, um schmerzliche, unerträgliche Gefühle zu verdrängen. Für depressive Spieler zum Beispiel kann das Spielen einen Energieschub bedeuten. Das Spielen verlangt auch Konzentration, was bewirkt, dass die Person vorübergehend von ihren Problemen abgelenkt wird. Zudem vermögen die mit einem hohen Risiko verbundenen Aktivitäten (wie das Spielen) durch den Nervenkitzel, den sie verursachen, das Gefühl der Leere zu bekämpfen. 

17. TRICKS UND KNIFFE, ZUM TEIL VON BETROFFENEN PERSONEN​

Tragen Sie wenig Bargeld auf sich und lassen Sie Ihre Bank- und Kreditkarten zu Hause, oder geben Sie wenn nötig die Karten einer Vertrauensperson in Verwahrung. 

Meiden Sie eine Zeitlang Spiellokale, damit Sie nicht in Versuchung geraten. Und sehen Sie vor allem nicht anderen bei Spielen zu: Das ist der sichere Weg zum Rückfall. 

Versuchen Sie die Fallen zu erkennen, die Sie sich selbst stellen (z. B. „Ich spiele nur 20 Fr., ich bin sicher, dass ich gewinne, ich verdiene es …“). Denken Sie an all die Male, da Sie sich dasselbe gesagt haben, und erinnern Sie sich daran, was es für Folgen hatte. 

Beantragen Sie bei Ihrer Bank, dass sie ein tiefes Tageslimit für den Bargeldbezug festlegt (z. B. 40 Fr.).  

Denken Sie an die Aktivitäten, die Ihnen früher etwas bedeuteten  und die Sie wegen des Spielens aufgegeben haben. Nehmen Sie sie wieder auf (z. B. Kinobesuch, Lesen, Fahrradfahren, Wandern, Fitnesstraining usw.). 

Sprechen Sie mit Personen, in die Sie Vertrauen haben, über Ihr Spielproblem. Das Verheimlichen macht die Scham und die Schwierigkeiten nur noch grösser. Suchen Sie Hilfe bei Fachpersonen, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre Spielgewohnheiten nicht mehr unter Kontrolle haben und dass diese negative Auswirkungen auf Ihr Leben haben. 

Denken Sie häufig an das, was Sie motiviert, mit Spielen aufzuhören. 

Gönnen Sie sich ein Vergnügen, bestrafen Sie sich nicht, Sie leiden schon genug. 

Nutzen Sie die Möglichkeit einer freiwilligen Spielsperre. In der Schweiz ist es neben der legalen freiwilligen Spielsperre in allen Casinos auch möglich, eine “Besuchsvereinbarung“ zu treffen, die die Anzahl Besuche und ihre Dauer in einem Casino festlegt. Für die Lotteriespiele wie das Tactilo in der Westschweiz gibt es gegenwärtig keine legale Basis für eine Spielsperre, doch es ist auch hier möglich, mit den Betreibern von Spiellokalen eine Vereinbarung zu treffen.

18. WELCHE EIGENSCHAFTEN WERDEN BEI SPIELSÜCHTIGEN HÄUFIG BEOBACHTET?​

Schwierigkeit oder gar Weigerung, die Realität zu akzeptieren, was zu einer Flucht in die Traumwelt des Spielens führt. 

Emotionale Unsicherheit: Ein Spielsüchtiger fühlt sich emotional nur wohl, wenn er spielt. Nicht selten hört man die Aussage: “Der Einzige Ort, wo ich mich aufgehoben fühlte, war an einem Pokertisch. Dort fühlte ich mich sicher, dort war mir wohl. Man verlangte nichts von mir. Ich wusste, dass ich mich selbst zerstörte, aber gleichzeitig hatte ich ein gewisses Gefühl der Sicherheit.“ 

Eine Blockade von bestimmten Aspekten der emotionalen Entwicklung: Der Wunsch, alle Güter des Lebens ohne grosse Anstrengungen zu erlangen, scheint ein typischer Wesenszug der Spielsüchtigen zu sein. Manche zwanghaften Spieler geben zu, dass sie sich weigerten, erwachsen zu werden. Unbewusst glaubten sie, sie könnten die Verantwortung umgehen, indem sie auf eine Rouletterunde oder die nächste Karte setzten, und so wurde der Kampf, um sich den Verpflichtungen zu entziehen, schliesslich zu einer Obsession. 

Ausserdem scheint der Spielsüchtige das starke Verlangen zu haben, ein risikobereiter “Zocker“ zu sein (big shot) und das Bedürfnis nach Allmacht zu verspüren. Eine Person, die auf zwanghafte Weise spielt, kann verleitet werden, asoziale Handlungen zu begehen, um das Bild aufrechtzuerhalten, das sie den anderen von sich präsentieren möchte. 

Laut gewissen psychoanalytischen Studien werden Spielsüchtige möglicherweise ohne ihr Wissen vom Aspekt des Verlierens angezogen, weil sie sich selbst bestrafen und damit ein unbewusstes Schuldgefühl verringern möchten. 

19. WIE SIEHT DIE TRAUMWELT DES SPIELSÜCHTIGEN AUS?​

Das ist eine weitere gemeinsame Eigenschaft der Spielsüchtigen: Sie verbringen viel Zeit damit, sich die wunderbaren und aussergewöhnlichen Dinge vorzustellen, die sie mit dem grossen Gewinn verwirklichen würden. Sie betrachten sich häufig als Menschenfreunde und anziehende Persönlichkeiten. Sie träumen davon, ihren Familienangehörigen und Freunden neue Autos, Pelzmäntel und andere Luxusgüter zu schenken. Sie stellen sich vor, wie sie ein angenehmes, vergnügliches Leben führen würden, das sie sich dank den mit ihrem “System“ gewonnenen grossen Geldbeträgen leisten könnten. Dienstboten, Luxuswohnungen, schöne Kleider, reizende Freunde, Boote und Weltreisen sind einige der wunderbaren Dinge, die sie sich würden leisten können …

Leider ist der Gewinn nie gross genug, um irgendeinen Traum zu verwirklichen. Wenn Spielsüchtige gewinnen, wollen sie weiterspielen, um von noch grösseren Illusionen zu träumen. Doch die aufgrund der Provision des Betreibers von Glücksspielen statistisch gesehen negative Gewinnerwartung führt unweigerlich dazu, dass sie beim Weiterspielen mehr verlieren, als sie gewonnen haben.

Wenn sie verlieren, riskieren sie, aus Verzweiflung zu spielen, während ihre Traumwelt zusammenbricht. Und wenn sie weitermachen, leiden sie noch mehr. Sie sind im Allgemeinen wenig empfänglich für Ratschläge von Menschen, die sie davon überzeugen möchten, dass ihre grossartigen Projekte nie zustande kommen werden. Sie sind überzeugt, dass sie es schaffen werden, denn ohne diese Traumwelt erscheint ihnen ihr Leben unerträglich. 

20. IST ZWANGHAFTES SPIELEN NICHT VOR ALLEM EIN FINANZIELLES PROBLEM?​

Nein, zwanghaftes Spielen scheint ein emotionales Problem zu sein. Eine Person mit dieser Krankheit schafft sich scheinbar unlösbare Probleme. Natürlich ergeben sich finanzielle Probleme, doch Spielsüchtige sind auch mit Eheproblemen und mit beruflichen und rechtlichen Problemen konfrontiert. Sie riskieren, ihre Freunde zu verlieren und von ihren Angehörigen abgelehnt zu werden. Von den zahlreichen entstehenden Schwierigkeiten sind die finanziellen Probleme offenbar am einfachsten zu lösen. 

Wenn ein Spielsüchtiger aufhört zu spielen, nehmen normalerweise seine Einkünfte zu, und die finanziellen Verluste sind nicht länger spürbar. Harte Arbeit und die Rückzahlung der Schulden sind das beste Mittel, um die finanzielle Situation zu sanieren. Das grösste Problem, mit dem sich der Spieler auseinandersetzen muss, und das am meisten Zeit in Anspruch nimmt, besteht darin, seinen Charakter zu ändern. Die meisten Spielsüchtigen betrachten dies als die grösste Herausforderung, denn es ist eine Aufgabe, die man sofort angehen muss und die einen ein Leben lang beschäftigen wird. 

21. WIE HÖRT EINE PERSON AUF ZU SPIELEN?​

Um vom Spielen wegzukommen, muss der Spieler allmählich seinen Charakter ändern. Dazu braucht er Vertrauen, und er muss die Grundkonzepte eines Therapieprogramms befolgen. 

Es gibt keine Abkürzung, um zu diesem Vertrauen und zur Einsicht zu gelangen. Der Prozess ist mit beharrlichen Anstrengungen verbunden. 

22. WARUM KANN EIN SPIELSÜCHTIGER NICHT EINFACH AUS EIGENEM WILLEN AUFHÖREN ZU SPIELEN?

Viele Menschen mit einem Spielproblem sind fähig, für längere Zeitspannen auf das Spielen zu verzichten. Doch unter bestimmten Umständen, und wenn sie unvorbereitet mit einer Situation konfrontiert werden, fangen sie wieder an zu spielen, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Ihr Abwehrsystem, auf das sie zählten – ihr Wille –, ist zusammengebrochen, weil die durch das Spielen reaktivierten Automatismen von Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen zu stark waren. Es ist wie bei der Metapher von Odysseus und dem Gesang der Sirenen: Ein solches Hindernis kann nur durch eine besonnene Vorausschau umgangen werden. Der Wille und die Selbsterkenntnis allein helfen bei solchen Abstürzen nicht, und man muss vorher, oder allenfalls nachher handeln, in diesem Fall mit Strategien, dank denen sich der Schaden begrenzen lässt (zum Beispiel indem man Angehörige involviert, die vorher über die unternommenen Anstrengungen informiert wurden und bereit sind, bei einem Krisenplan mitzuwirken). Manchmal kann der Glaube an ein geistiges Prinzip dazu beitragen, diese Schwierigkeiten zu meistern. Spieler, die Mitglied bei den “Anonymen Spielern“ sind (auch 12-Schritte-Programm genannt), vertreten, dass der Glaube an eine höhere Macht nötig sei, um den dauerhaften Wunsch, mit dem Spielen aufzuhören, zu unterstützen. 

23. BESTEHT EIN ZUSAMMENHANG ZWISCHEN PATHOLOGISCHEM SPIELEN UND VERBRECHEN, DIEBSTÄHLEN UND DELIKTEN ?​

Nahezu zwei Drittel der Spieler, die eine Beratungs- oder Behandlungsstelle aufsuchen, haben schon illegale Handlungen begangen, um ihren Geldbedarf zu decken. Dazu gehören Bedrohung, häusliche Gewalt, Betrug, Fälschen, Veruntreuung und Diebstahl (mit dem der Einbruch verbunden ist). Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass gegen zahlreiche pathologische Spieler (etwa 20%) bei ihrer ersten Beratung ein Strafverfahren läuft. 

24. IST DIE SPIELSUCHT MIT ANDEREN PSYCHISCHEN STÖRUNGEN ODER MIT DEM KONSUM VON SUCHTMITTELN VERBUNDEN?​

Es ist erwiesen, dass die Spielsucht häufig mit einer anderen Form von Sucht einhergeht, zum Beispiel mit Drogensucht, übermässigem Alkoholkonsum, Essstörungen oder anderen Gesundheitsproblemen, den sogenannten Komorbiditäten oder Begleiterkrankungen. Man weiss nicht, ob diese Begleiterkrankungen auf die Angst zurückzuführen sind, die der Status einer Spielsucht auslöst, oder ob der Spieler, ohne dass ein kausaler Zusammenhang existiert, bereits eine Risikopersönlichkeit aufweist. Die Spielsucht wurde auch schon mit starkem Tabakkonsum in Zusammenhang gebracht.

Desgleichen können Stimmungsschwankungen und Angststörungen mit der Spielsucht verbunden sein. Eine Studie hat gezeigt, dass Spielsüchtige drei Mal häufiger als Nicht-Spieler die diagnostischen Kriterien der Depression aufweisen.  

25. GIBT ES UNTER DEN SPIELSÜCHTIGEN HÄUFIGER SELBSTMORDE?​

Wenn der Spieler durch die Folgen seiner Sucht in die Enge getrieben wird, kann ihm der Selbstmord als die einzige “Lösung“ erscheinen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass bis zu 90% der pathologischen Spieler schon Selbstmordgedanken hatten, und dass fast 20% der Spieler, die sich in Behandlung befinden, vorher Selbstmordversuche unternommen haben. 

26. SIND AUCH JUGENDLICHE VON DER SPIELPROBLEMATIK BETROFFEN?​

Laut einer bei Jugendlichen durchgeführten Studie hatten 76% von ihnen schon ein Mal in ihrem Leben um Geldeinsätze gespielt, 65% hatten im laufenden Jahr gespielt und 24% spielten mindestens ein Mal pro Woche.

Alle Wissenschaftler stellen fest, dass die Spielgewohnheiten extrem früh angenommen werden; neueste Studien schätzen, dass das Einstiegsalter bei etwa 10 Jahren liegt. Das immer jüngere Einstiegsalter ist mit dem ständig wachsenden Angebot der verschiedenen Lotterien und den Spielmöglichkeiten auf Internet verbunden. Das Aufkommen von Internetseiten, auf denen gespielt werden kann, ohne dass eine Überprüfung des Alters des Spielers möglich ist, trägt zu den Risiken bei. 

27. GIBT ES ENTWICKLUNGSPHASEN BEIM PATHOLOGISCHEN SPIELEN?​

Man geht allgemein davon aus, dass der pathologische Spieler eine Reihe von stereotypen Phasen durchläuft:

Die Einstiegs- oder Gewinnphase (winning phase): Der Spieler taucht in die Welt des Spielens ein, vielleicht im Glauben, die Gewinne würden alle schon vorhandenen existentiellen Schwierigkeiten lösen. 

Die Verlustphase (loosing phase): Der Spieler spielt weiter, um Verluste wettzumachen. Hier kommt eine Dimension der Notwendigkeit hinzu: zunächst die Notwendigkeit, Geld zu machen, wobei der Spieler auf erneute Gewinne setzt, und dann ganz einfach die Notwendigkeit weiterzuspielen …

Die Verzweiflungsphase (desperation phase): Der Spieler sucht im Spiel die Lösung für die wachsenden Schwierigkeiten. 

28. WIRD MEIN PRIVATLEBEN RESPEKTIERT, WENN ICH HILFE SUCHE?​

Die vertrauliche Behandlung von Informationen ist ein grundlegendes Prinzip aller Beratungs- und Behandlungsstellen. Die Wahrung dieser Vertraulichkeit ist eine gesetzliche Pflicht, die für alle Fachpersonen im Gesundheitswesen gilt und die durch strafrechtliche Bestimmungen im Falle einer Verletzung gewährleistet ist. 

Die persönlichen Daten werden also streng vertraulich behandelt. Die Fachkräfte, welche Personen mit problematischem Spielverhalten behandeln, sind nicht da, um Werturteile abzugeben, sondern um dem Spieler Informationen und Instrumente zu liefern, die ihm bei der Bewältigung der Probleme in seiner Beziehung zum Spielen helfen können.